„Wenn die Sterne fallen“ von Malou Bichon
Als ich „Wenn die Sterne fallen“ von Malou Bichon in die Hand nahm, hatte ich zunächst keine Ahnung, welche emotionale Achterbahnfahrt mich erwarten würde.

Als ich „Wenn die Sterne fallen“ von Malou Bichon in die Hand nahm, hatte ich zunächst keine Ahnung, welche emotionale Achterbahnfahrt mich erwarten würde. Schon nach wenigen Seiten war für mich jedoch klar, dass dieses Buch anders ist – anders in seiner Sprache, seiner Erzählweise und vor allem in der Art, wie intensiv es Gefühle vermittelt. Malou Bichon gelingt es, eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen, die einen immer tiefer in die Geschichte hineinzieht und dafür sorgt, dass man das Buch nicht einfach nur liest, sondern die Emotionen der Protagonistin beinahe selbst durchlebt.
Die Protagonistin selbst ist eine unglaublich facettenreiche und wechselhafte Persönlichkeit. Ihre Gedanken und Gefühle sind häufig widersprüchlich, und gerade zu Beginn konnte ich ihre Entscheidungen nicht immer nachvollziehen. Immer wieder scheint sie ihre Meinung zu ändern, zweifelt, hofft, zieht sich zurück und lässt sich dann doch wieder auf ihre Gefühle ein. Das kann stellenweise etwas anstrengend sein, macht sie gleichzeitig aber auch sehr authentisch. Im Laufe der Geschichte wird deutlich, dass diese innere Zerrissenheit einen Grund hat. Nach und nach versteht man besser, warum sie so handelt, wie sie handelt, und bekommt einen immer tieferen Einblick in ihre Gefühlswelt.
Genau diese Entwicklung hat mir besonders gut gefallen. Malou Bichon nimmt sich die Zeit, ihre Figur nicht nur oberflächlich zu beschreiben, sondern ihre Gedankenwelt wirklich auszuleuchten. Man erlebt ihre Zweifel, Ängste, Hoffnungen und ihre Sehnsucht hautnah mit. Dabei bleibt die Protagonistin angenehm unperfekt und menschlich. Gerade ihre Fehler und Unsicherheiten machen sie greifbar und sorgen dafür, dass man sich trotz ihrer manchmal schwierigen Entscheidungen in sie hineinversetzen kann.
Auch emotional hat mich die Geschichte sehr mitgenommen. „Wenn die Sterne fallen“ erzählt von Liebe, Verlust, Sehnsucht und der schwierigen Suche nach sich selbst. Dabei geht es nicht ausschließlich um romantische Gefühle, sondern auch darum, wie sehr vergangene Erfahrungen unser Handeln beeinflussen und wie schwer es sein kann, mit der eigenen Vergangenheit abzuschließen. Die verschiedenen Zeitebenen fand ich dabei besonders gelungen. Die Hintergrundgeschichte wird Stück für Stück enthüllt, wodurch man immer wieder neue Informationen erhält und das Verhalten der Protagonistin zunehmend besser verstehen kann.
Was mir außerdem gefallen hat, ist, dass die Geschichte nicht einfach nur eine Liebesgeschichte erzählt. Hinter der emotionalen Handlung steckt viel mehr: die Suche nach dem eigenen Platz im Leben, das Verarbeiten von Verlust und die Frage, wie man nach schwierigen Erfahrungen wieder nach vorne schauen kann. Besonders die kleinen Momente und Gedanken wirken dabei oft intensiver als große dramatische Szenen. Es gibt wunderschöne, zarte Augenblicke, aber ebenso Situationen, die schmerzen und noch lange nachhallen.
Natürlich gab es auch Momente, in denen mir die Protagonistin etwas zu sprunghaft erschien und ich mir gewünscht hätte, sie würde sich schneller entscheiden. Gerade ihre ständigen Zweifel können stellenweise etwas Geduld erfordern. Trotzdem sehe ich genau darin auch eine Stärke des Romans, denn nicht jede Entscheidung und jedes Gefühl lässt sich sofort einordnen. Ihre Unsicherheit macht sie menschlich und verleiht der Geschichte eine gewisse Authentizität.
★★★★★ (5/5)


