Rezension

„Heinkehr nach Whale Island“ von Miriam Covi

»Zuhause ist, wo die Wale singen.«

„Heimkehr nach Whale Island“ von Miriam Covi ist für mich genau die Art von Buch, die man sich an einem ruhigen Nachmittag mit einer Tasse Kaffee oder Tee und einer kuscheligen Decke wünscht. Schon nach den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, dem Alltag ein kleines Stück entfliehen zu können. Die Geschichte hat mich von Anfang bis Ende in eine warme, gemütliche und zugleich wunderschön atmosphärische Welt entführt und mir genau das gegeben, was ich mir von einem richtigen Wohlfühlbuch erhoffe: eine besondere Atmosphäre, sympathische Charaktere, Emotionen, kleine Geheimnisse und ganz viel Gefühl.

Miriam Covi nimmt ihre Leserinnen und Leser mit nach Whale Island – einen idyllischen Ort an der Küste, der sich beim Lesen beinahe wie ein zweites Zuhause anfühlt. Die Insel ist dabei viel mehr als nur der Schauplatz der Geschichte. Sie wirkt wie ein eigener Charakter und trägt einen großen Teil zur besonderen Stimmung des Romans bei. Die kleinen Straßen, das Meer, der Wind, die Natur und die Gemeinschaft der Menschen lassen vor dem inneren Auge ein wunderschönes Bild entstehen. Ich konnte mir die Insel beim Lesen so gut vorstellen, dass ich mir zwischendurch tatsächlich gewünscht habe, selbst einmal dort sein zu können.

Besonders gefallen hat mir, wie viel Liebe zum Detail in den Beschreibungen steckt. Miriam Covis Schreibstil ist flüssig, leicht und angenehm zu lesen, gleichzeitig aber so bildhaft, dass die Atmosphäre von Whale Island richtig greifbar wird. Man kann sich beinahe vorstellen, wie die salzige Meeresluft in der Nase liegt, wie der Wind durch die Haare weht und wie man selbst durch die kleinen Straßen der Insel spaziert. Genau diese Mischung aus Leichtigkeit und Atmosphäre hat für mich einen großen Teil des Charmes der Geschichte ausgemacht.

Auch die Charaktere haben dazu beigetragen, dass ich mich schnell in der Geschichte wohlgefühlt habe. Die Hauptfigur ist sympathisch und authentisch gestaltet, sodass es leichtfällt, sie auf ihrem Weg zu begleiten. Ihre Gedanken, Gefühle und Entscheidungen wirken nachvollziehbar und geben der Geschichte eine persönliche Ebene. Besonders schön fand ich, dass die Figuren nicht einfach nur „perfekt“ sind, sondern ihre eigenen Sorgen, Unsicherheiten und Geschichten mitbringen. Dadurch wirken sie lebendig und menschlich.

Was zunächst wie eine klassische Wohlfühlgeschichte wirkt, bekommt im Laufe der Handlung immer mehr Tiefe. Miriam Covi verbindet die gemütliche Atmosphäre der Insel mit ernsteren Themen wie Verlust, Neuanfang, Familie und den Geheimnissen, die Menschen manchmal über viele Jahre mit sich herumtragen. Gerade diese Mischung hat mir besonders gut gefallen. Die Geschichte ist dadurch nicht nur leicht und schön, sondern regt gleichzeitig zum Nachdenken an.

Vor allem das Thema Neuanfang hat mich während des Lesens beschäftigt. Es geht darum, den Mut zu finden, alte Wege zu verlassen, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen und vielleicht ganz neu herauszufinden, was man im Leben eigentlich möchte. Dabei vermittelt das Buch eine wunderschöne Botschaft: Manchmal führt uns ein Umweg genau dorthin, wo wir eigentlich hingehören.

Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen spielen eine wichtige Rolle. Freundschaft, Familie, Zusammenhalt und natürlich die Liebe bekommen ihren Raum, ohne dass die Geschichte dadurch überladen wirkt. Ich mochte besonders das Gefühl von Gemeinschaft, das auf Whale Island vermittelt wird. Es sind diese kleinen Begegnungen, Gespräche und Momente miteinander, die die Geschichte so warm und herzlich machen.

Während des Lesens hatte ich immer wieder das Gefühl, für ein paar Stunden aus meinem eigenen Alltag auszusteigen. Genau das erwarte ich von einem Wohlfühlroman. Ein Buch muss für mich nicht ständig große Wendungen oder dramatische Ereignisse bieten. Manchmal reicht es völlig, wenn eine Geschichte einen Ort erschafft, an dem man sich gerne aufhält, und Charaktere, deren Weg man gerne begleitet. „Heimkehr nach Whale Island“ hat genau das geschafft.

Natürlich gibt es auch ernstere und emotionalere Momente, die der Geschichte eine gewisse Schwere verleihen. Gerade dadurch empfand ich die Wohlfühlatmosphäre aber als besonders gelungen. Denn das Leben besteht schließlich auch nicht nur aus schönen Momenten. Es sind die Höhen und Tiefen, die eine Geschichte glaubwürdig machen und den Figuren die Möglichkeit geben, sich weiterzuentwickeln.

Für mich ist „Heimkehr nach Whale Island“ deshalb ein Buch, das vor allem von seiner Atmosphäre lebt. Es ist eine Geschichte zum Abschalten, Träumen und Wohlfühlen, aber gleichzeitig auch eine Geschichte über Verlust, Vergangenheit, Neuanfänge und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben.

★★★★★ (5/5)