Rezension

„Das Beste sind die Augen“ von Monika Kim

»Ich weiß, dass der Strauch hübsch aussieht, aber Gift lauert überall. Auch dort, wo man es gar nicht erwartet.«

von Monika Kim

„Das Beste sind die Augen“ ist ein Buch, das man kaum aus der Hand legen kann. Ich habe es in einem Rutsch gelesen, weil die Geschichte von Anfang an eine enorme Sogwirkung entfaltet. Lange Zeit fragte ich mich allerdings, wo der angekündigte Horror bleibt – nach etwa 40 % des Buches war davon noch nicht viel zu spüren. Doch was danach folgt, hat es dafür umso mehr in sich.

Monika Kim beschreibt extrem faszinierend und zugleich abstoßend-eklige Szenen, ohne dabei reißerisch zu wirken. Besonders beeindruckend ist, wie greifbar sie die Psychosen der Protagonistin darstellt. Deren innerer Zerfall, ihre Wahrnehmung und ihre Motive wirken erschreckend real. Die Hauptfigur ist manipulativ, zutiefst krank und alles andere als eine Sympathieträgerin. Gerade das macht sie aber so spannend.

Die Beziehung zur Schwester empfand ich stellenweise als rührend und beinahe zärtlich, was einen starken Kontrast zu dem restlichen Verhalten der Protagonistin bildet. Gleichzeitig war meine Fassungslosigkeit über ihr Handeln oft enorm: Sie schadet Menschen ganz bewusst, spielt perfide Spielchen und zeigt immer wieder, dass sie zwei Gesichter hat.

Ob ich das Buch nun als feministisch bezeichnen würde, weiß ich nicht. Ja, es werden Männer gezeigt, die sich wie wandelnde Negativbeispiele verhalten. Allerdings bezweifle ich, dass es im feministischen Interesse liegt, diese dann zu töten und ihnen anschließend die Augen zu snacken. 😉

Insgesamt ist „Das Beste sind die Augen“ ein verstörender, fesselnder und ungewöhnlicher Roman, der lange nachwirkt – nichts für schwache Nerven, aber definitiv lesenswert für alle, die psychologischen Horror schätzen.

★★★★☆ (4/5)

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